„Ich mache meine Arbeit täglich so gut ich sie kann, aber Fehler passieren immer und überall“
Das war zwar nicht der erste Satz, den Wolfgang Anzengruber, CEO des multinationalen Unternehmens VERBUND, im Rahmen der Executive Lounge den anwesenden Studierenden mit auf den Weg gab, aber dennoch ein sehr einprägsamer. Fehler, so der studierte Maschinenbauer und Betriebswirt, hätten ihn immer schon begleitet – begann er doch auch seine Karriere bei Simmering-Graz-Pauker (SPG) mit der Aufgabe Schrauben für eine Entschwefelungsanlage zu dimensionieren und musste während der Bauarbeiten feststellen, dass er deren Umfang zu gering bemessen hatte, was zur Folge hat, dass die Anlage bis heute auf Schrauben steht, deren Mittelteil geschweißt ist. Diese Erfahrungen hätten ihn Demut gelehrt, so der gebürtige Oberösterreicher, aber verziehen hätte er sich solche Dinge schon lange. Es nütze nichts, sich jahrzehntelang Vorwürfe zu machen – man müsse die Verantwortung für Fehler übernehmen, sie dann aber, gemäß dem ManagerInnen-Gebet „Ich verzeihe mir alles, was ich heut getan hab und wünsch mir alles Gute für morgen“ ad acta legen. Ad acta gelegt hat der jetzt 54-Jährige auch schon die eine oder andere Geschäftsführerposition: Wie erwähnt, begann er seine berufliche Karriere bei SPG, wechselte nach einem Intermezzo als Geschäftsführer bei Systec Industrieautomation zu ABB, wo er unterschiedliche Funktionen bekleidetet, bis er in die Geschäftsleitung von ABB Österreich berufen wurde. 1999 stieß Anzengruber als Vorstand zur Salzburger Stadtwerke AG, wo er im Jahr 2000 die Fusion mit der Energie-Landesgesellschaft SAFE zur „Salzburg AG” für Energie, Verkehr und Telekommunikation vorantrieb, als deren Vorstand er anschließend tätig war. Im September 2003 folgte dann bereits der nächste Karriereschritt und Anzengruber wurde Vorstandsvorsitzender des Salzburger Kranherstellers Palfinger. Doch als er 2008 gerade seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender auf weitere fünf Jahre verlängert hatte, kam das Angebot von VERBUND, sich dort als neuer CEO zu bewerben. Eine solche Bewerbung, verriet der jetzige VERBUND-Chef, sei aber für ihn nicht in Frage gekommen – was würden denn die Leute sagen, wenn er sich bewirbt und dann nicht genommen wird? Schließlich ging Herr Anzengruber doch zu einem Hearing, allerdings nur, weil ihm davor zugesichert wurde, dass er den neuen Job mit Sicherheit antreten könne und mit Palfinger vereinbart wurde, dass der soeben unterschriebene Fünfjahresvertrag als ungültig betrachtet werde.
Wichtig, so erklärte uns der CEO, dessen Sprache noch eindeutig oberösterreichisch gefärbt ist, sei ihm bei all diesen Karriereschritten gewesen, nicht arrogant zu werden oder den Boden unter den Füßen zu verlieren. Seine häufigen Positionswechsel seien damit zu erklären, dass er neue Herausforderungen liebe und sich immer wieder gern in neue Bereiche einarbeite. Dies mache er durch zwei- bis dreimonatiges intensives Zuhören, um dann aber – ohne demokratische Miteinbeziehung der MitarbeiterInnen – Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen. Dabei müsse auch allen klar sein, dass ein Unternehmen mit dem Ziel geführt werde, Profit zu machen – immerin habe es sich bei allen seinen geführten Unternehmen noch um keine Non-Profit-Organisation gehandelt.
Eine NGO war also noch nicht dabei, aber ansonsten legt Herr Anzengruber Wert darauf, verschiedenste Unternehmensstrukturen kennenzulernen: Es mache eben einen Unterschied ob es sich um ein multinationales Unternehmen handle, ein börsenotiertes oder ein teilverstaatlichtes.
An seiner jetzigen Tätigkeit beim VERBUND, dessen Anteilseignerin zu 51% die Republik Österreich ist, reize ihn besonders, dass er am Schnittpunkt zwischen Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft stehe und auf beide Bereiche Einfluss nehmen kann. Der Staat lasse ihm dabei völlig freie Hand und mische sich weder in die VERBUND-Führung, noch in die Preisgestaltung des Unternehmens ein, lobte Anzengruber die Republik.
Und so leitet Wolfgang Anzengruber die Geschicke des größten österreichischen Elektrizitätskonzerns nun schon über zwei Jahre und will die Stellung des Unternehmens, das maßgeblich für Österreichs Status als Vorzeigebeispiel im Bereich der erneuerbaren Energien verantwortlich ist, noch weiter ausbauen. Derzeit laufen etwa Expansionen nach Albanien, in die Türkei, Frankreich und Italien – auch in Spanien und Rumänien sollen Wasserkraftwerke und Photovoltaikanlagen errichtet werden. Wie weit sich diese Expansionen aber noch ausdehnen lassen und vor allem auf welche Energiequellen dabei zu setzen ist, das wird die Zukunft weisen, erklärte Anzengruber den anwesenden Studierenden – abschließend lasse sich das derzeit nicht beantworten. So war er noch vor dreißig Jahren glühender Verfechter der Atomenergie, wohingegen er heute die Problematik der Endlagerung des Atommülls als durchaus ernstzunehmend betrachte und aufgrund der steigenden Kosten für die Betreibung eines Atomkraftwerkes den Ausstieg aus der Kernenergie für vorprogrammiert halte. Die größten Herausforderungen für die Engergiewirtschaft sieht Anzengruber darin den Wirkungsgrad zu erhöhen, die Klimaerwärmung zu reduzieren und dabei die Energiepreise leistbar zu halten.
Der UNIMC Wien ist gespannt darauf, wie Herr Anzengruber diese Ziele verfolgen wird, bedankt sich für die interessanten Einblicke und wünscht ihm dabei – und auch bei allen zukünftigen Vorhaben, die ihn, wie er hat anklingen lassen, vielleicht in den Bereich Bildung führen – alles Gute!