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18.Oktober 2011 - 18:00

Herbert Stepic, CEO der Raiffeisen Bank International


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„Verhandlungen sind oft lustiger als das Simpl“

Raiffeisen Bank International Boss Herbert Stepic plaudert beim Uni Management Club über seine Karriere, den bevorstehenden Haircut, ausgiebige Biker-Abenteuer und warum er nichts von ManagerInnen am Golfplatz hält.

Nein, ein Workaholic sei er bestimmt nicht. Trotzdem ist er meistens der letzte, der die Bank verlässt. „Ich habe den Drang etwas zu schaffen und ich kann dann einfach nicht aufhören“, sagt Herbert Stepic, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Bank International, gegenüber Studierenden im Rahmen der Executive Lounge des Uni Management Clubs (UNIMC) in der Konzern-Zentrale am Stadtpark. Schließlich müsse man auch den eigenen MitarbeiterInnen ein Vorbild sein. Daher hält er auch nicht viel von ManagerInnen am Golfplatz.

Die 40 ausgewählten Top-Studierenden unterschiedlichster Studienrichtungen wie Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaften oder Mathematik bekamen an diesem Abend nicht nur berufliche sondern auch private Einblicke in das Leben des Top-Managers. Während seines Studiums der Handelswissenschaften jobbte er als Reiseleiter. Zuerst in Wien, später fuhr er mit amerikanischen Reisegruppen durch Europa. „Ich wusste, dass ich später international tätig sein möchte.“ Seine Reiseleidenschaft begleitet ihn bis heute

 

. Nach dem Studium arbeitete er zunächst ein Jahr in einem Industriebetrieb. Dort musste er auch Bankkredite verhandeln. Das erste Job-Angebot von Raiffeisen, im Kreditbereich zu arbeiten, hat er aber ausgeschlagen. „Das hat mich einfach nicht interessiert.“ Acht Monate später kam dann das Traum-Angebot, an der Internationalisierung der Bank mitzuarbeiten.

„Ich habe nie gearbeitet um Karriere zu machen. Ich arbeite, weil ich den unbändigen Drang habe etwas zu schaffen, nicht weil ich Generaldirektor bin“, sagt Stepic und warnt die zukünftigen Manager: „Wer nur an die Karriere denkt, wird sein Ziel nie erreichen. Man muss in seinem Job erfolgreich sein, dann kommt die Karriere automatisch.“ So wenig er von Ellbogentechniken hält, so wenig hält er auch von Empfehlungsschreiben von Onkeln und Tanten. Das wirke sich bei ihm eher kontraproduktiv aus. Schließlich müsse man sich im Job selbst beweisen.

Für Stepic ist bis heute jede Dienstreise ein kleines Abenteuer. Besonders spannend sind dabei auch die geschäftlichen Verhandlungen. „Da geht’s oft lustiger zu als im Simpl. Ein Nigerianer verhandelt anders als ein Kameruner.“ Am schw

 

ierigsten seien aber die Japaner. „Die zeigen überhaupt keine Körpersprache.“ Die Faszination fremder Kulturen, vor allem der afrikanischen, begleitet Stepic bis heute. Seine Sammlung afrikanischer Kunstwerke war bis vor kurzem im Kunstforum ausgestellt. „Die afrikanische Kunst hat die intensivste Ausdrucksweise.“

Natürlich sprachen die Studierenden Stepic auch auf die derzeitige Krise an. „Ich möchte die Krise nicht missen“, erzählt Stepic. Schließlich sei das auch für ihn eine „ultimative Challenge“. Er rechnet nicht mit einer raschen Lösung der Schuldenkrise und erwartet einen massiven Haircut. Weiters erwartet er höhere Vorschriften für Eigenkapitalquoten nach dem Gipfeltreffen in Brüssel am Wochenende. Für heuer rechnet der Banker dennoch mit einer positiven Bilanz.

Für Stepic ist der Job in der Bank jedenfalls „noch lange nicht getan“. Privat freut er sich schon auf seine nächste Motorrad-Tour quer durch Anatolien bis an die irakische Grenze. Zuletzt ging es durch die Mongolei und Nordindien mit viel Schlamm und Geröll. „Das war toll.“ Außerdem plant Stepic noch, sämtliche Raiffeisen Banken in Russland zu besuchen.

Ob Stepic auch einmal ein Jobwechsel gereizt hätte? „Ein Unternehmen wie Raiffeisen verlässt man nicht. Ich bin überzeugt davon, dass man die Freiräume, die einem hier ermöglicht werden, nirgends sonst findet.“