Am 18. April war der UNIMC im Rahmen einer Executive Lounge zu Gast bei RZB Generaldirektor Dr. Walter Rothensteiner.
Bei einem gemütlichen Frühstück erzählte Dr. Rothensteiner über seinen beruflichen Werdegang und die Strategie der Raiffeisen Bank, speziell in CEE.
Nach damaligen langem Überlegen entschied sich Dr. Rothensteiner für das Studium der Handelswissenschaften. 1974 begann er mit erst 21 Jahren bereits zu arbeiten, da er der Meinung ist, dass man im Arbeitsprozess mehr lernen kann. Seine erste berufliche Instanz war die Raiffeisen Zentralbank, wo er schon bald durch einen Zufall von einer Sekretärin für den Posten des Sekretärs des Generaldirektors empfohlen wurde. Später übernahm er die Geschäftsleitung der RLB Wien-Niederösterreich, von wo er dann für fünf Jahre in die Zuckerindustrie wechselte. Nach seiner Rückkehr zur RZB ermöglichte ihm ein neuerlicher Glücksfall, der Wechsel von Dr. Klaus Liebscher zur Österreichischen Nationalbank, die heutige Position als Generaldirektor der RZB.
Generell ist er der Meinung, dass man seine Karriere nicht planen kann. Um im Beruf erfolgreich zu sein braucht man Hausverstand, was er selbst als eine erhöhte Risikobereitschaft, Pioniergeist, sowie eine gute Allgemeinbildung interpretiert. Zusätzlich braucht man Glück am richtigen Ort zu sein, wenn eine Tür aufgeht und einem neue Chancen und Möglichkeiten bietet. Als selbstverständlich sieht er auch gute Manieren, sowie ausgezeichnete Englischkenntnisse.
Auch bei der Raiffeisenbank, die international sehr erfolgreich ist, ist die Konzernsprache Englisch. Englisch schafft für die regionalen Banken, die in den Konzern integriert werden, eine Vertrauensbasis und reduziert die kulturellen Unterschiede. Prinzipiell ist es allerdings sehr schwierig eine einheitliche Marketingführung oder Dachmarke zu etablieren, da man mittlerweile mehr als 60 Banken zum Konzern zählt.
Trotz dieses Erfolges bleibt man bescheiden. Man will nicht die ganze Welt erobern, da man dafür zu klein ist, so Dr. Rothensteiner. Stattdessen möchte man seine langjährige Erfahrung in Osteuropa nützen und in dieser Region weiter wachsen. Man sieht hier keine starken Auswirkungen der amerikanischen Hypothekenkrise und erhofft sich sogar, dass die oftmals überteuerten Banken nun etwas geringer bewertet sind und somit für einen potentiellen Kauf attraktiver werden. Eine Abschwächung der Konjunktur würde dazu führen, dass die CEE-Region mit nur mehr 6% wachsen würde, was laut Rothensteiner, es den Banken endlich ermöglichen würde, einmal durchzuatmen.
Ein besonders boomendes Segment in dieser Region ist das klassische Retailgeschäft. Man muss die Leute zum Sparen animieren, um so der Bank Kapital zu verschaffen, welches für das zweite boomende Segment, nämlich Kredite, aufgewendet werden könnte. Doch das ist jedoch schwieriger als man denkt. Der Fall des Eisernen Vorhangs ist noch nicht mal 20 Jahre her und die Mentalität der Leute demnach auch anders. Aktuelle Bankenkrisen, wie die Krise 1998 in Russland, fördern das Vertrauen der Sparer auch nicht gerade. Die Menschen fürchten sich vor allzu langen Kapitalbindungen, da die Angst davor sein Geld nicht mehr zu erhalten größer ist, als der Reiz von hohen Zinsen.
Alles in allem stellt die CEE-Region mit ihren überdurchschnittlichen Wachstumsraten, aber auch gleichzeitig mit ihren Kultur-, sowie Mentalitätsunterschieden eine Herausforderung dar, welche die RZB mit Herrn Dr. Rothensteiner an der Spitze gekonnt zu meistern weiß.