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15.Dezember 2011 - 18:30

Michael Fleischhacker, Chefredakteur & Geschäftsführer “Die Presse”


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Fast ein Mönch

„Eigentlich wollte ich Mönch werden“, verriet Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker bei der Executive Lounge. Dass der ehemalige Klosterschüler heute keine Mönchskutte trägt, verdankt er seinem schreiberischen Talent. Über die Kleine Zeitung und einen Abstecher beim Standard landete er schließlich bei der „Presse“, die er seit 2005 auch leitet.

„Ein guter Journalist braucht Fachwissen und ein demutvolles Selbstbewusstsein“, ließ Fleischhacker die Studenten wissen. „Bilanzlesen kann ich später keinem Wirtschaftsjournalisten mehr beibringen.“ Die Studiengänge an den Journalismus-Fachhochschulen sieht er daher mehr als kritisch. Besser sei es ein derartiges Studium postgradual einzuschlagen oder gleich bei der „Presse“ mit der Lehrredaktion zu beginnen. Fleischhacker verteidigte in diesem Zusammenhang, dass die Lehrredaktion kostenpflichtig ist. „Die Lehrredaktion ist eine postgraduale Ausbildung, die auch etwas kosten sollte. Wenn sich herumspricht, dass sie das Geld nicht wert ist, werden wir auch nichts mehr verlangen können. So funktioniert eben der Markt.“

Michael Fleischhacker ist eben nicht nur Chefredakteur sondern auch ein beinharter Manager. Als Co-Geschäftsführer trifft er die ökonomischen Entscheidungen der Zeitung. Stolz ist Fleischhacker, dass die „Presse“ seit 2010 kein Subventionsbetrieb mehr ist. „Wir sind ökonomisch völlig unabhängig.“ Eine Unvereinbarkeit der Doppelfunktion Chefredaktion und Geschäftsführung in Personalunion sieht er nicht. Für ihn habe es den Vorteil, dass er „kein bloßer Empfänger von Weisungen“ sei, sondern mitbestimmen könne. Entscheidungen könne man dadurch auch viel besser der Redaktion erklären. Nur ein „gewisser Lebenskomfort“ gehe verloren, musste Fleischhacker zugeben.

Als nächstes kam man auf die Veränderungen am Zeitungsmarkt zu sprechen. Eine Zeitung ist durch das Internet „keine bloße Informationsquelle mehr, sondern ein Erklärmedium“. Auch in Zukunft wird es Zeitungen geben. Das Internet stellt allerdings die Zeitungsverlage vor große Herausforderungen. Schließlich lässt sich mit dem Netz bis dato kaum Geld verdienen. „Auf der ganzen Welt gibt es nur fünf Print-Medien, die online profitabel sind, eines davon ist „Der Standard“, so Fleischhacker. Online sieht er daher den Zug für die „Presse“ abgefahren. „Natürlich schmerzt es, wenn „Der Standard“ profitabler ist als wir. Ich halte es nicht für intelligent, noch mehr Geld hineinzuschütten.“ Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen will er in Zukunft daher vermehrt auf bezahlten, mobilen Content setzen. Schließlich geben die Leute auch Geld für Klingeltöne aus.

Zum Schluss wurde er vom Publikum noch auf die Regierungsinserate angesprochen. Fleischhacker ließ aufhorchen, denn er plädierte für ihre gänzliche Abschaffung. „Das kostet uns zwar 10 Prozent an Umsatz, würde aber zu einer dringend notwendigen Marktbereinigung führen.“